“Sie waren unsere Nachbarn” – Geschichtskurse auf Exkursion in Köln

Berichte über die Exkursion zum EL-DE-Haus der neunten Klassen

 

Am 09.05.2018 trafen sich alle Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen mit ihren Geschichtslehrerinnen und Geschichtslehrern am Bahnhof in Odenkirchen. Ziel der Exkursion war das EL-DE-Haus in Köln. Hier beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit der Thematik „Jugend im Nationalsozialismus“ in Form eines Workshops oder mit einer Stadtteilführung durch Köln-Ehrenfeld. Nachdem sich alle Klassen in den letzten Wochen mit der Thematik des Nationalsozialismus beschäftigt hatten, bot diese Exkursion die Gelegenheit, Vergangenes nicht nur im Schulunterricht und im Schulbuch, sondern vor Ort sichtbar zu machen. Zwei Berichte aus der 9c geben den Eindruck der Schülerinnen und Schüler zu diesem Tag wieder:

 

 

Sie waren unsere Nachbarn – eine Exkursion zum EL-DE-Haus Köln

 

Die Exkursion der neunten Klassen des Gymnasiums Odenkirchen in das EL-DE Haus in Köln, eine ehemalige Gestapodienststelle, am 9. Mai 2018 hat viele Schülerinnen und Schüler, aber auch die Lehrer sehr bewegt. Ein Bericht vom Workshop…

 

Kurz nach zwölf Uhr. Nach einer ziemlich überfüllten Zugfahrt standen wir endlich im EL-DE-Haus. Besonders einladend wirkte es nicht. Betonwände, wohin man sah, ein paar Informationsbroschüren. Eine nette Dame führte uns in einen der Räume, stellte sich vor und begann mit den Regeln. Regel Nummer eins: Fragen stellen ausdrücklich erwünscht! Das machte die ganze Sache für die Meisten deutlich interessanter; ein neugieriges Gemurmel ging durch den Raum. Und wie sich später herausstellte, hat die Möglichkeit, Fragen stellen zu dürfen, viel zum Verständnis dieses dunklen Kapitels beigetragen.

Nun ging es erst richtig los, zunächst mit einer Führung durch die ehemalige Gestapozentrale. Als erstes gingen wir eine enge Treppe mit niedriger Decke und einigen alten Rohren hinunter, die uns geradewegs zu den früheren Zellen der Inhaftierten führte. Ein ziemlich beengendes Gefühl, besonders für große Menschen wie meine Wenigkeit. Und ich hätte mir lediglich den Kopf angehauen. Die Menschen, die hier herunterkamen, wurden meist von den Wachleuten die kalten Steintreppen hinunter geschubst und landeten auf dem harten Boden, oft verletzt. Noch beklemmender wurde dieses ohnehin schon mulmige Gefühl dann, als wir an den engen, winzigen Zellen ankamen. Ganz schön eng dort drin. Mit circa 15 Personen passte man schon kaum dort hinein. Kaum vorstellbar, dass ungefähr doppelt so viele Menschen dort drin gefangen waren. Zu wenig Platz, um sich hinzulegen, keine Möglichkeit, zu schlafen; eine durchdringende Dunkelheit, die einem jede Orientierung raubte. Die reinste Folter. Auf einem Schild stand die Überschrift „Wände, die sprechen können“. Nun, das konnten sie wirklich. In fast jeder Zelle fanden sich Notizen der Gefangenen, meist selbst gezeichnete Kalender oder Listen, um wenigstens eine kleine Orientierung zu haben, um beschäftigt zu sein, um nicht den Verstand zu verlieren. Oft aber auch Nachrichten an die Hinterbliebenen oder auch politische Statements bis hin zu wüsten Beschimpfungen, um der Angst, der Verzweiflung Raum zu geben. Unsere Museumsführerin erzählte uns von einem Jungen, der nur durch einen winzigen Spalt in der Wand mit seiner Mutter sprechen konnte, so klein, dass er sie vermutlich nicht einmal berühren konnte.

Weiter ging es durch viele weitere Räume, deren jeweilige Funktion uns auch mithilfe vieler Bilder erklärt wurde. Besonders gefesselt hat viele der zunächst unscheinbare Innenhof des Geländes, auf dem damals immer wieder Hinrichtungen stattfanden. Heute würde niemand mehr auf die Idee kommen, dass an der Stelle, wo wir gestanden haben, Menschen getötet wurden, und das am helllichten Tag, so dass die Angestellten der Zentrale es aus ihren Fenstern sehen konnten, die Menschen auf der Straße die verstummenden Schreie hören konnten. Alle wussten, was dort vor sich ging. Niemand unternahm etwas dagegen aus Angst, selbst hingerichtet zu werden. Eine Mitschülerin fragte die Dame, die uns gutmütig herumführte, ob in dem Haus, das direkt neben dem NS-Dokumentationszentrum lag, jemand wohnen würde. Sie nickte. Ein ziemlich unheimlicher Gedanke, wenn man bedachte, was hier geschehen war.

An die Führung schloss sich der Workshop an. Dieser fand in einem ziemlich interessanten Raum statt, der zu den anderen Räumen nicht gegensätzlicher hätte sein können. An einer Wand hingen die unterschiedlichsten Möbel: Schränke, Kisten, Regale, Standuhren, Spiegel, Stühle, Lampen. Von der Decke hingen die unterschiedlichsten Gegenstände: Teetassen, Schulranzen, Hüte, Brettspiele. Und an der gegenüberliegenden Wand waren schließlich Kurbeln angebracht. Wenn man an ihnen drehte, kamen einige der Gegenstände von der Decke runter gefahren. Unsere Aufgabe war es, mithilfe verschiedener Zahlencodes Schlösser an den Möbelstücken, die an einer der Wände hingen, zu öffnen und so Stück für Stück an verschiedene Gegenstände zu gelangen. Wer vorher noch nicht wusste, was ein Brettspiel, ein Lederarmband und ein Stück Kreide miteinander zu tun hatten, gelangte so Schritt für Schritt an eine Person, die entweder vom Holocaust betroffen war, sich dagegen einsetzte oder den Nationalsozialismus zunächst gut fand. Fast jede dieser Personen vollzog einen Lebenswandel, der meist etwas mit einem der Gegenstände zu tun hatte. Meine Gruppe beispielsweise beschäftigte sich mit einem jungen Mann, der sich von der Hitlerjugend abgewandt hatte, um ein Edelweißpirat (Mitglied einer bestimmten Widerstandsgruppe) zu werden. Die Kreide war wichtig für ihn, denn mit ihr schrieb er „EP Ahoi“ an die Wände, als Zeichen für die Edelweißpiraten. Aus den gesammelten Informationen wurden später Vorträge erarbeitet, die dann dem Plenum vorgestellt wurden.

Insgesamt war die gesamte Exkursion für viele ein prägendes Ereignis, von dem wohl jeder etwas mit nach Hause genommen hat. Fast alle haben nach diesen Tag ein bisschen mehr darüber nachgedacht, was hier in Deutschland vor über 70 Jahren geschehen ist. Wer jetzt ein Stück Kreide in der Schule sieht, denkt vielleicht an den jungen Widerstandskämpfer, der sich gegen den Nationalsozialismus aufgelehnt hat. Und dieses Bewusstsein ist auch sehr bedeutend für uns alle, damit wir dieser Grausamkeit keinen Raum in unserer Gesellschaft bieten. Wie sagte der Holocaust-Überlebende Max Mannheimer einmal so schön? „Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah, aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon.“

 

(Amelie Klauth, 9c)

 

Unsere Exkursion zum EL-DE-Haus

 

Die Exkursion startete damit, dass wir mit dem Zug nach Köln gefahren sind. Als wir ankamen, hatten wir ungefähr eine Stunde Zeit Köln in Dreier-Gruppen zu besichtigen. Danach haben wir uns mit unserem Lehrer getroffen, um zu unserem Teil der Exkursion weiterzufahren. Ich war in der Gruppe, die eine „Besichtigungstour“ durch Köln gemacht hat, um das Leben der zu der Zeit des Zweiten Weltkriegs lebenden Bevölkerung nachzuvollziehen. Wir hatten mehrere Stopps bei der Tour, bei der unsere Leiterin die dazugehörende Geschichte erzählte. Mal waren wir an einem Bunker, mal an einem ehemaligen jüdischen Laden. Und das „Vor-Ort-Sein“ hat der Tour eine besondere Atmosphäre verliehen, denn als man sich bewusst gemacht hat, dass man z.B. an der Stelle steht, an der mal Widerstandkämpfer hingerichtet wurden, die gegen Hitler und den Nationalsozialismus gekämpft haben, kam mir eine Gänsehaut.

Doch der Besuch des EL-DE-Hauses legte noch eins drauf: Ein Haus, das zu einem normalen Büro werden sollte, wurde von der Gestapo als Sitz benutzt. Das Schlimmste waren die Gefängniszellen, die die Gestapo im Keller errichtet hatte, in denen sich die Gefangenen quetschen mussten. Bis zu 30 Menschen teilten sich eine Zelle. Es gab sehr viele Wandzeichnungen, es war kalt und es muss der reinste Horror gewesen sein, dort eingesperrt zu werden. Ich selbst kann mir nicht vorstellen, so etwas durchzuhalten.

Abschließend kann man sagen, dass die Exkursion etwas Besonderes war, da wir einen Einblick in die damalige Zeit bekommen haben. Ich kann diese Tour weiterempfehlen, jedoch sollte man sich mit Ausdauer und Sonnencreme (bei 30 Grad Außentemperatur) ausstatten, da die Tour eine längere Zeit in Anspruch nimmt.

(Marcel Niewrzoll, 9c)

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